Der Wolf – Unser Nachbar

Mölln (ik) – Durch vermehrtes Auftreten des Wolfes in unserem Kreis hat das Umweltministerium in Kiel den Kreis Herzogtum Lauenburg am 13. März zum ersten und bisher einzigen Wolfsgebiet in Schleswig-Holstein erklärt. Dadurch ergeben sich viele Fragen in der Bevölkerung. Daher hat die Kreisjägerschaft Herzogtum Lauenburg am 10. Juli zu einer der Informationsveranstaltung in den Möllner Quellenhof eingeladen. Zur allgemeinen Information berichteten Eckhard Fuhr (Journalist, Buchautor, Korrespondent für Kultur und Gesellschaft für die WELT, Berlin), Reinhard Schmidt-Moser (Leiter des Referates Schutzgebiete und Artenschutz im Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein, Kiel), Jens-Uwe Matzen (Koordinator der Wolfsbetreuer, Stolpe), Dr. Boris Lau (Rechtsanwalt, Fachanwalt für Versicherungsrecht, Groß Grönau) und Dirk Hadenfeldt (Wolfsbeauftragter im Kreis Herzogtum Lauenburg, Schmilau) über Entwicklungen, Erfahrungen, Erwartungen, Gesetze sowie Mythen und Tatsachen zum Wolf. Zu Beginn las Fuhr einige Passagen aus seinem Buch „Rückkehr der Wölfe“ während im Hintergrund interessante Bilder gezeigt wurden. Fuhr: „In der Öffentlichkeit führt der Wolf zur Verunsicherung.“ Darauf stellte er einen Flächenvergleich Amerika-Deutschland auf und informierte, dass Amerika Raubtiere und Menschen mittels Nationalparks separiert. Das geht in Deutschland nicht. Laut Fuhr seien selbst 10.000 Hektar im Schwarzwald zu klein für den Wolf. Jedoch: „Vor 200 Jahren passte der Wolf nicht in unsere Landschaft. Die Wälder waren übernutzt, Wild gab es wenig und Ackerbau auf kargem Boden war sehr schwer. Die Menschen waren zudem überall – nicht, wie heute aus Freizeitgründen, sondern zur Arbeit – im Wald und auf den Feldern. Das ganze Jahr.“ Wie sagte Tierfilmer Grzimek vor vielen Jahren in seiner Fernsehsendung? „Der Wolf wird in Deutschland nie mehr seine Fährte ziehen,“ welch ein Irrtum! Fuhr ist der Meinung, dass unser Land noch nie so viel Möglichkeit für den Wolf bietet, wie jetzt, denn die Wälder beherbergen einen hohen Wildbestand. „Die großen Räuber nutzen die Verhältnisse, die von den Menschen geschaffen wurden. „Wir müssen als Jäger umdenken aber das müssen wir auch so. Aber auch, dass sich ein Restrisiko niemals ausschließen lässt. „Wir haben diese Wildtiere als neue Nachbarn.“ Laut Schmidt-Moser hat man sich im Ministerium Gedanken gemacht, „…wie wir damit umgehen, wenn es mehr werden…“ und „Der Wolf wird ja wohl einigen Unfug anrichten hier in Deutschland. Wie gehen wir damit um, wenn der Wolf kommt?“ 25 stationäre Rudel gibt es zurzeit in Deutschland. Keines davon in Schleswig-Holstein. „Wir haben hier nur einzelne Wölfe. sicher auch Stationäre. Im Vergleich zu anderen Bundesländern haben wir ganz wenig Wölfe hier.“ Auch Schmidt-Moser gab eine Erklärung zum Umgang mit gerissenen Tieren /Schafen, sowie ein Faltblatt mit weiteren Informationen und erläuterte die Aufgabe eines Wolfsberaters. Fakt ist aber auch, dass der Wolf ein Wildtier ist – also herrenlos. Damit besteht kein Anspruch auf Entschädigung. Aus Gründen der Akzeptanz (und um den Tierhaltern zu helfen) hat das Ministerium sich entschlossen, eine Entschädigung zu zahlen.
Im Wolfsgebiet können alle Haus(Nutz)tierhalter entstandenen Schaden geltend machen und Herdenschutzzäune beantragen. Diese sind die Voraussetzung für die Entschädigung. Achtzig Prozent der Kosten übernimmt das Land. Jens Matzen gab eine Darstellung aus Sicht der Wolfsbetreuer und im Hinblick auf den Herdenschutz: „So richtig Aufwachen werden die meisten erst, wenn etwas passiert ist.“ Ohne Besichtigung von Wolfsberatern kann kein Antrag auf Entschädigung gestellt werden. Boris Lau klärte über die Versicherungs- und rechtliche Seite auf und stellte klar: „Einen richtigen Fachanwalt für Wolfsrecht gibt es noch nicht. Was beim Wolf auffällt, ist die unglaubliche Regelungswut, wenn nur das Wort auftaucht – als ob wir keine anderen Probleme hätten!“ Weiter gab er Hinweise auf unterschiedlichen Versicherungsschutz bei verschiedenen Gesellschaften und Verträgen. Einige zahlen bei allen Tieren, andere nur bei Wildtieren, die dem Jagdrecht unterliegen. Wertvolle Tiere, wie beispielsweise Deckhengste oder Zuchtstuten sollten extra versichert werden. Ein wichtiger Hinweis ist, dass einem verletzten Wolf (angefahren o. ä.) leider nicht direkt geholfen werden darf – auch die Notwehrsituation sollte nur unter Zeugen ausgenutzt werden… Rechtliche Information über das Aufstellen von Hinweis-Schilder zum Wolfsgebiet: „Das ist – laut Ministerium – nicht im Interesse der Willkommensstruktur…“ Dirk Hadenfeldt berichtete sehr interessant – begleitet von einem ebenso interessanten Video – über seinen den Wolfseinsatz in Neu-Horst. „Das kann ja gar nicht sein,“ war sein erster Gedanke zu diesem Einsatz, bei dem der Wolf keinerlei Scheu zeigte. „Wölfe verhalten sich anders, als man annimmt. Sie müssen sich ja an den Menschen gewöhnen, wenn sie hier leben wollen. Geht ja gar nicht anders. Die Frage ist aber, was macht ein Normalbürger, wenn er einem Wolf begegnet? Es muss eine Verhaltensstrategie geben, die auch machbar ist.“ Bei den vielen Videos und Handyfilmchen oder Bildern mit entsprechendem Text, die vielfach umhergeschickt werden, rät Hadenfeldt, sich zu beruhigen und zu überlegen, was davon wahr sein könnte. „Trotz aller Konflikte ist es eine spannende Wildart.“ Die Moderation für die rund 350 Gäste übernahm Forstdirektor a.D. Hans-Albrecht Hewicker (Wolfsbetreuer, Vorsitzender Arbeitskreis im Landesjagdverband Bockholt-Hahnredder): „Der Wolf ist da! Wir wollen heute Abend nicht darüber diskutieren, ob es gut ist, oder nicht, es geht hier um die Beantwortung der Fragen.“ Fragen hatten die Gäste so einige mitgebracht. Wichtig war ihnen immer wieder der Herdenschutz. Was kann man machen, um seine Tiere zu schützen, wie geht man im Schadenfall vor und wann wird was in welcher Höhe entschädigt? Aber eines wurde den Gästen doch sehr ans Herz gelegt: Sachlich und nüchtern mit diesem Thema umzugehen. Die Moderation für die rund 350 Gäste übernahm Forstdirektor a.D. Hans-Albrecht Hewicker (Wolfsbetreuer, Vorsitzender Arbeitskreis im Landesjagdverband Bockholt-Hahnredder): „Der Wolf ist da! Wir wollen heute Abend nicht darüber diskutieren, ob es gut ist, oder nicht, es geht hier um die Beantwortung der Fragen.“ Fragen hatten die Gäste so einige mitgebracht. Wichtig war ihnen immer wieder der Herdenschutz. Was kann man machen, um seine Tiere zu schützen, wie geht man im Schadenfall vor und wann wird was in welcher Höhe entschädigt? Aber eines wurde den Gästen doch sehr ans Herz gelegt: Sachlich und nüchtern mit diesem Thema umzugehen. Begleitet wurde die Veranstaltung durch die Bläsergruppe Nord unter Leitung von Uwe Asmuß. Die Kreisjägerschaft dankt dem Wildpark Eekholt für die Nutzung des präparierten Wolfes.

Ehlers: „Wolfsgebiet Herzogtum Lauenburg: die wenigsten Menschen wissen damit etwas   anzufangen. Wir Jäger müssen etwas für die Aufklärung machen.“

Ehlers: „Wolfsgebiet Herzogtum Lauenburg: die wenigsten Menschen wissen damit etwas
anzufangen. Wir Jäger müssen etwas für die Aufklärung machen.“

Hans-Albrecht Hewicker rät sachlich und nüchtern mit diesem Thema umzugehen.

Hans-Albrecht Hewicker rät sachlich und nüchtern mit diesem Thema umzugehen.

Eckhard Fuhr: „…Wölfe nicht zu ungefährlichen Schmusetieren erklären!“

Eckhard Fuhr: „…Wölfe nicht zu ungefährlichen Schmusetieren erklären!“

Reinhard Schmidt-Moser: „Wie gehen wir damit um, wenn der Wolf kommt? Er wird ja wohl einigen   Unfug anrichten hier in Deutschland…“

Reinhard Schmidt-Moser: „Wie gehen wir damit um, wenn der Wolf kommt? Er wird ja wohl einigen
Unfug anrichten hier in Deutschland…“

Jens Matzen: „So richtig Aufwachen werden die meisten erst, wenn etwas passiert ist.“

Jens Matzen: „So richtig Aufwachen werden die meisten erst, wenn etwas passiert ist.“

Boris Lau: „Richtigen Fachanwalt für Wolfsrecht gibt es noch nicht.“ width=

Boris Lau: „Richtigen Fachanwalt für Wolfsrecht gibt es noch nicht.“

Dirk Hadenfeldt: „Trotz aller Konflikte eine spannende Wildart.“

Dirk Hadenfeldt: „Trotz aller Konflikte eine spannende Wildart.“

Für die Ausstellung des Wolfpräparates dankt die Kreisjägerschaft dem Wildpark Eekholt.

Für die Ausstellung des Wolfpräparates dankt die Kreisjägerschaft dem Wildpark Eekholt.

Fotos: Inga Kronfeld

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